Archive for category: Blog

Neues Projekt: Das Netzfilmblog

Vor einigen Wochen fragte mich der Chefredakteur, ob ich nicht Lust hätte, für ZEIT ONLINE ein wenig über “Filme im Netz” zu bloggen. Damit gemeint waren nicht etwa Filme oder Serien, die Fernsehsender inzwischen auch immer häufiger über Pay-per-View online anbieten, sondern Inhalte, die tatsächlich exklusiv im Netz zu finden sind. Nun war und bin ich sicherlich kein ausgeschriebener Filmexperte – ich war seit Jahren in keinem Kino mehr – aber gleichzeitig reizte mich das Thema: Schließlich stolpere ich jeden Tag in meinem Feedreader über Filme, Serien oder Dokus, die wohl ohne das Netz niemand jemals sehen würde.

Nach einer Woche der Überlegung habe ich der Idee schließlich zugesagt. Das Ergebnis ist seit letzten Freitag online und hört auf den einfachen Namen “Netzfilmblog“. Dabei schon im Vorfeld den richtigen Fokus zu finden, war gar nicht so einfach – allein die Bezeichnung “Netzfilm” ist allenfalls eine vage Bezeichnung für das Phänomen. Aber ich denke, die entsprechende About-Seite fasst die Idee ganz gut zusammen: Das Blog soll die Brücke schlagen zwischen Inhalten, die einfach unterhaltsam, interessant oder gut gemacht sind (also Kurzfilme, Animationen und Serien, die sich so auf YouTube und Vimeo tummeln) und größeren Projekten, die tatsächlich die technischen Möglichkeiten des Internets aureizen, oder ohne das Netz gar nicht erst entstanden wären.

Die ersten Reaktionen auf den Start am Freitag mit meinem Interview von aufgezeichnet.tv waren größtenteils positiv, was natürlich auch eine entsprechende Erwartungshaltung mit sich bringt. Ich denke, letztlich wird die Mischung entscheidend sein: Zwischen Unterhaltung und Information, zwischen älteren und neuen Inhalten und zwischen kurzweiligen Postings und längeren Features und Interviews. Ich bin jedenfalls gespannt, wie sich die Sache entwickeln wird. Und falls jemand einen interessanten Link zum Thema hat: Immer her damit!

Griechenlands verworrene Krise

Seit einigen Wochen verfolge ich, sowohl passiv als auch aktiv, das Geschehen in Griechenland. Ich lese von Zahlen, die uns sagen sollen, wieso Griechenland unsere Hilfe braucht. Von harten und weichen Umschuldungen, von Sparpaketen und Misstrauensvota. Von der Zukunft des Euro. Von Vorurteilen und Stereotypen. Kein Wunder, dass sich im Laufe der letzten Woche meine Meinung dabei, je nach Erkenntnisstand, mehrmals gewendet hat: Vom zunächst reflexartigen “Wieso sollten die Griechen noch mehr Milliarden von uns bekommen?” bis hin zum mitfühlenden Verständnis für eine Nation, dessen Bild sich wohl in den Köpfen der meisten Deutschen geändert hat, wenn auch allzu häufig ins Negative.

Wenn mir eines im Rahmen der Berichterstattung bewusst geworden ist, dann ist es, dass es sich in der Causa Griechenland längst nicht mehr um die Finanzkrise und Verschuldung eines einzelnen Staates handelt. Es ist eine europäische Krise. Es geht um eine desillusionierte Jugend, die seit Wochen in Zelten um ihre Zukunft kämpft. Um eine Generation älterer Griechen, die jahrzehntelange, schleichende Korruption und Misswirtschaft billigte. Es geht um politische Lager, die scheinbar vor allem sich selbst retten wollen, um europäischen Zusammenhalt, um die Stabilität und Zukunft einer Währung und, ja, letztlich auch aber fast nur noch am Rande um leere Staatskassen. Und genau in dieser Vielschichtigkeit liegt auch das Problem, die Situation tatsächlich in all seinen Facetten zu verstehen – und auch verstehen zu wollen. Man merkt schnell wie leicht es ist, sich der schnellen Reaktion hinzugeben statt sich wirklich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Den vielleicht besten Text zum Thema gibt es nicht auf den Startseiten der großen Medienhäuser zu lesen, sondern in einem Blog und auf jetzt.de. Er stammt aus der Feder von Michalis Pantelouris, der gleich zu Beginn die wichtige Frage stellt: “Steigt überhaupt noch jemand durch bei dem, was in Griechenland passiert?”. Im folgenden versucht er auf gut verständliche und gleichzeitig tiefgründige Weise, Auflösungsarbeit zu leisten. Ich glaube immer noch nicht, alles verstanden zu haben. Aber wieder etwas mehr. Bitte lesen.